Vertonte Liebesgefühle beim Jungen Theater, Foto: Uwe Heinrich

ProgrammZeitung aus dem Dezemberheft 2022, S. 15

Herz & Schmerz

Christoph Dieffenbacher

Das Junge Theater Basel präsentiert einen Abend mit Liebesliedern – und denkt kritisch über deren Inhalte nach.

Liebe und Musik, Emotionen und Klänge – sie bilden für viele eine fast untrennbare Einheit. Jeder und jede hat wohl einen der einschlägigen Songs im Ohr, und die Kultur-geschichte ist voll von Liebesliedern mit ihren Wünschen und Sehnsüchten nach einem angehimmelten Gegenüber. Solche Songs bringt nun das Junge Theater Basel auf die Bühne: Unter der Regie von Sebastian Nübling und in einer Soundlandschaft von Jackie Poloni singen, kommentieren und reflektieren sechs junge Leute zwischen 18 und
23 Jahren so manches bekannte Lied von Herz und Schmerz.

Fremd gewordene Beziehungsideale.

Dem Publikum dargeboten werden dabei besonders die Texte, die im Überschwang der eingängigen Melodien oft untergehen. Das genaue Wiederhören dürfte wohl viele überraschen: Denn viele Liedinhalte seien mit bestimmten Beziehungsidealen verbunden, die in der heutigen Wirklichkeit keinen Platz mehr haben und fremd wirken, sagt Theaterleiter und Dramaturg Uwe Heinrich. Heutige Liebespaare würden hergebrachte Kategorien wie Besitz, Macht und Abhängigkeit infrage stellen, während die Schwüre von ewiger Treue ihr Ablaufdatum erreicht hätten. «Im Stück fragen sich die Mitwirkenden aus ihrer ganz persönlichen Sicht, ob das eigentlich die Ideale sind, die wir suchen», so Heinrich.

Am Anfang der Produktion standen bekannte Love Songs aus dem Mainstream. Während der ersten Proben wurden die Mitspielenden gefragt, welches ein passendes Liebeslied für sie selber wäre. Entstanden ist daraus schliesslich ein in Wörter, Bilder und Songs gefasstes Nachdenken über die verschiedenen vertonten Liebesgefühle. Der Theaterabend spielt damit direkt auf die Welt der Heranwachsenden an: Themen wie Beziehungen, Liebe und Sexualität finden sich immer wieder im Programm des Jungen Theaters Basel. So ist es wohl immer wieder die junge Generation, die den Beziehungsformen auf den Grund geht – und damit auch Kritik an den vermeintlichen Vorbildern äussert. 

Junges Theater Basel, «Sing Me A Love Song!»:bis Fr 16.12., je 20 h, Rossstall, Kaserne, www.jungestheaterbasel.ch




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